Sie haben gerade eine E-Mail von Ihrem Zahlungsanbieter erhalten, in der Sie aufgefordert werden, Ihre Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) vorzulegen. Oder schlimmer noch: Ihr Konto wird bereits überprüft und Ihre Gelder sind vorübergehend eingefroren. Im Jahr 2026 betrifft diese Situation Tausende Online-Händler in Deutschland, die nicht wussten, dass ihr Zahlungsdienstleister rechtliche Dokumente einfordern kann — und das Konto bei deren Fehlen sperren darf.
Zahlungsanbieter wie Stripe, PayPal und Adyen unterliegen der EU-Zahlungsdiensterichtlinie (PSD2) und den Geldwäschebekämpfungsvorschriften. Diese Pflichten verpflichten sie zu überprüfen, ob ihre Händler ihre Geschäftstätigkeit transparent und gesetzeskonform ausüben. Und das Erste, was geprüft wird? Ob Ihre Website klare und zugängliche AGB aufweist.
Dieser Artikel erklärt Ihnen, warum Zahlungsanbieter AGB verlangen, was Ihre AGB enthalten müssen, was passiert, wenn Sie keine haben, und wie Sie schnell konform werden.
Warum Zahlungsanbieter AGB von ihren Händlern verlangen
Die regulatorische Pflicht
Als zugelassene Zahlungsinstitute im Europäischen Wirtschaftsraum müssen Zahlungsanbieter die Zahlungsdiensterichtlinie (PSD2), die Geldwäschebekämpfungsvorschriften (Richtlinie 2015/849) und die Regeln der Kartennetzwerke (Visa, Mastercard) einhalten. Diese Vorschriften verpflichten die Anbieter sicherzustellen, dass ihre Händler rechtmäßig und transparent operieren.
Konkret sehen die Nutzungsbedingungen der großen Zahlungsanbieter vor, dass jeder Händler auf seiner Website klare Geschäftsbedingungen, eine Rückerstattungs- und Rückgaberegelung sowie die Kontaktdaten des Kundendienstes anzeigen muss. Das Fehlen dieser Elemente stellt einen Verstoß gegen die Nutzungsbedingungen des Anbieters dar und kann sofortige Maßnahmen an Ihrem Konto auslösen.
Was Zahlungsanbieter tatsächlich prüfen
Zahlungsanbieter führen Überprüfungen zu verschiedenen Zeitpunkten durch: bei der Anmeldung, nach einem ungewöhnlichen Aktivitätsanstieg, nach einer Kundenbeschwerde oder im Rahmen regelmäßiger Kontrollen. Bei diesen Überprüfungen prüfen die Anbieter:
- Das Vorhandensein von AGB, die von Ihrer Website aus zugänglich sind (Link in der Fußzeile oder im Bestellprozess)
- Eine Rückerstattungsrichtlinie, die klar formuliert ist
- Die Kontaktdaten des Händlers (E-Mail, Adresse, Telefonnummer)
- Die Übereinstimmung zwischen Ihrer angegebenen Geschäftstätigkeit und Ihrer Website (entsprechen die verkauften Produkte dem, was Sie angegeben haben?)
- Das Impressum mit Angaben zum Seitenbetreiber
Diese Überprüfungen sind nicht zufällig. Die Anbieter verwenden automatisierte Systeme, die Ihre Website analysieren und Mängel markieren. Eine Website ohne AGB wird systematisch zur manuellen Überprüfung gekennzeichnet.
Was passiert, wenn Ihr Anbieter ein Problem feststellt
Der Kontoüberprüfungsprozess
Wenn ein Zahlungsanbieter einen Mangel feststellt, folgt der Prozess in der Regel diesen Stufen:
- E-Mail-Benachrichtigung: Sie werden aufgefordert, die fehlenden Dokumente innerhalb einer festgelegten Frist bereitzustellen (in der Regel 7 bis 14 Tage).
- Zurückhaltung von Zahlungen: Reagieren Sie nicht, kann der Anbieter die Überweisungen auf Ihr Bankkonto verzögern. Ihre Gelder verbleiben beim Anbieter, aber Sie haben keinen sofortigen Zugriff mehr.
- Kontosperrung: Ohne zufriedenstellende Antwort kann der Anbieter Ihre Fähigkeit, neue Zahlungen zu akzeptieren, aussetzen.
- Kontokündigung: In den schwerwiegendsten Fällen oder bei wiederholten Verstößen kann der Anbieter Ihr Konto endgültig schließen.
Die konkreten Folgen
Eine gesperrte Zahlungsabwicklung hat Kaskadeneffekte auf Ihr Geschäft:
- Sofortiger Verkaufsstopp: Ihre Kunden können auf Ihrer Website nicht mehr bezahlen
- Einbehaltung der Gelder: Der Anbieter kann Ihre Gelder 90 bis 120 Tage lang einbehalten, um mögliche Rückerstattungen oder Streitfälle abzudecken
- Reputationsschaden: Eine Website, die keine Zahlungen akzeptieren kann, verliert das Vertrauen ihrer Kunden
- Schwierigkeiten beim Wechsel: Andere Anbieter fragen oft, ob Sie zuvor gesperrt wurden — eine positive Antwort erschwert die Eröffnung eines neuen Kontos
Diese Situation ist besonders problematisch für Händler, die über keine alternative Zahlungslösung verfügen.
Was Ihre AGB enthalten müssen
Zahlungsanbieter schreiben kein bestimmtes AGB-Muster vor, aber Ihre Bedingungen müssen bestimmte Elemente abdecken, um sowohl die Anforderungen des Anbieters als auch die des deutschen Rechts zu erfüllen.
Anforderungen der Zahlungsanbieter
Die Nutzungsbedingungen der Anbieter verlangen in der Regel, dass Ihre AGB mindestens Folgendes abdecken:
- Eine klare Beschreibung der verkauften Waren oder Dienstleistungen
- Preise und verwendete Währung
- Zahlungsmodalitäten
- Rückerstattungs- und Rückgaberichtlinie
- Lieferfristen (sofern zutreffend)
- Kontaktdaten des Kundendienstes
Anforderungen des deutschen Rechts
Das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB), das Einführungsgesetz zum BGB (EGBGB) und das Telemediengesetz (TMG) sowie das TTDSG stellen zusätzliche Anforderungen:
- Das Widerrufsrecht von 14 Tagen (§§ 355-356 BGB in Verbindung mit der Verbraucherrechterichtlinie 2011/83/EU), einschließlich der Widerrufsbelehrung und des Muster-Widerrufsformulars
- Gesetzliche Gewährleistung: Mängelhaftung nach §§ 434 ff. BGB
- Bruttopreise einschließlich Mehrwertsteuer mit Angabe der Versandkosten (Preisangabenverordnung — PAngV)
- Lieferbedingungen und maximale Lieferfrist von 30 Tagen
- Gerichtsstand bei Streitigkeiten
- Hinweis auf die OS-Plattform der EU zur Online-Streitbeilegung und ggf. auf Verbraucherschlichtungsstellen (Verbraucherstreitbeilegungsgesetz — VSBG)
Einen vollständigen Überblick über häufige Fehler bei der Erstellung von AGB finden Sie in unserem Leitfaden Konforme AGB: Die 5 teuren Fehler.
Die Schnittstelle zur DSGVO
Wenn Ihre Website personenbezogene Daten während des Bestellvorgangs erhebt (was bei einem E-Commerce-Shop immer der Fall ist), müssen Ihre AGB auch auf Ihre Datenschutzerklärung verweisen. Die Artikel 12, 13 und 14 der DSGVO verlangen eine klare Information über die Datenverarbeitung. Der BfDI (Bundesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit) und das BDSG (Bundesdatenschutzgesetz) konkretisieren diese Anforderungen im deutschen Kontext.
Ihre AGB ersetzen keine eigenständige Datenschutzerklärung, müssen aber auf diese verweisen. Um den Unterschied zwischen diesen Dokumenten zu verstehen, lesen Sie unseren Artikel über den Unterschied zwischen AGB und Nutzungsbedingungen.
Weitere von Zahlungsanbietern verlangte rechtliche Dokumente
Zahlungsanbieter sind nicht die Einzigen, die rechtliche Dokumente verlangen. Die Kartennetzwerke (Visa, Mastercard) stellen ähnliche Anforderungen an alle Händler. Über die AGB hinaus muss Ihre E-Commerce-Website ebenfalls vorweisen:
- Ein Impressum mit Angaben zum Betreiber (Pflicht nach § 5 TMG und § 18 MStV)
- Eine Datenschutzerklärung gemäß DSGVO und BDSG
- Eine Cookie-Richtlinie gemäß den Anforderungen des TTDSG
- Nutzungsbedingungen für die Nutzung Ihrer Website
Das Fehlen dieser Dokumente setzt Ihr Unternehmen nicht nur der Sperrung des Zahlungskontos aus, sondern auch Bußgeldern von bis zu 20 Millionen Euro oder 4 % des Jahresumsatzes nach der DSGVO (Artikel 83) und weiteren Sanktionen für ein fehlendes Impressum (bis zu 50.000 € nach TMG). Einen vollständigen Überblick finden Sie in unserem Leitfaden über die 4 Pflichtdokumente für jede E-Commerce-Website.
So erhalten Sie konforme AGB: Ihre Optionen
Vier Lösungen stehen Ihnen zur Verfügung, um AGB zu erstellen, die sowohl Ihren Zahlungsanbieter als auch das deutsche Recht zufriedenstellen:
Einen Anwalt beauftragen (500-2.000 €): Sie profitieren von persönlicher Beratung und umfassender juristischer Expertise. Ein Anwalt kann Ihre AGB an Ihre spezifische Geschäftstätigkeit anpassen. Der Zeitrahmen beträgt jedoch mehrere Wochen — ein Luxus, den Sie sich nicht leisten können, wenn Ihr Anbieter bereits ein Überprüfungsverfahren eingeleitet hat.
Selbst erstellen mit Vorlagen (0 €, hohes Risiko): Es gibt kostenlose Vorlagen im Internet, aber sie sind selten auf dem neuesten Stand der regulatorischen Anforderungen. Eine generische Vorlage deckt nicht die Besonderheiten Ihres Geschäfts ab, und der Anbieter könnte offensichtlich kopierte AGB als unzureichend betrachten.
Eine generische KI verwenden (0 € + 150-300 € für Überprüfung): Tools wie ChatGPT können Entwürfe erstellen, aber jeder Abschnitt muss separat generiert werden, was zu Inkonsistenzen zwischen den verschiedenen Teilen des Dokuments führt. Eine professionelle Überprüfung bleibt unerlässlich.
Eine spezialisierte Rechts-KI verwenden (14,90-19,90 €): Lösungen wie WebLegal.ai erstellen konforme AGB in weniger als 10 Minuten, mit garantierter Konsistenz über alle Ihre rechtlichen Dokumente hinweg (AGB, Nutzungsbedingungen, Datenschutzerklärung, Cookie-Richtlinie). Der geführte Fragebogen stellt die richtigen Fragen zu Ihrem Geschäft, um Dokumente zu erstellen, die auf Ihre Situation zugeschnitten und sowohl mit den Anforderungen der Zahlungsanbieter als auch mit dem deutschen Recht konform sind.
Fazit
Die Sperrung eines Zahlungskontos wegen fehlender AGB ist eine vermeidbare Situation mit schwerwiegenden Folgen. Im Jahr 2026 verschärfen Zahlungsanbieter unter regulatorischem Druck ihre Kontrollen, und eine E-Commerce-Website ohne konforme rechtliche Dokumente lebt auf geborgter Zeit. Betrachten Sie Ihre AGB nicht als bloße administrative Formalität: Sie sind gleichzeitig Ihr vertraglicher Schutz gegenüber Ihren Kunden, Ihre Konformitätsgarantie gegenüber den Aufsichtsbehörden und Ihre Zugangsbedingung zu Zahlungsdiensten. Wenn Ihr Anbieter Sie bereits kontaktiert hat, handeln Sie innerhalb von Tagen — nicht Wochen. Und wenn Sie noch keine Benachrichtigung erhalten haben, interpretieren Sie das nicht als Risikofreiheit: Es bedeutet lediglich, dass Sie noch nicht an der Reihe waren.