Nutzungsbedingungen und Allgemeine Geschäftsbedingungen (AGB) — diese beiden Begriffe werden häufig verwechselt oder als austauschbar betrachtet. Dabei handelt es sich in 2026 um zwei rechtlich klar voneinander abgegrenzte Dokumente, die jeweils eine eigene Schutzfunktion für Ihr Online-Geschäft erfüllen. Wer sie vermischt oder nur eines der beiden vorhält, setzt sich erheblichen rechtlichen und finanziellen Risiken aus. Dieser Artikel erklärt Ihnen die wesentlichen Unterschiede, warum Sie beide Dokumente benötigen und wie Sie die Rechtskonformität sicherstellen.
Was sind Nutzungsbedingungen?
Die Nutzungsbedingungen (auch Nutzungsordnung oder Terms of Use) regeln das Verhältnis zwischen dem Betreiber einer Website und allen Personen, die die Seite aufrufen. Sie gelten für jeden Besucher, unabhängig davon, ob ein Kauf getätigt wird oder nicht. In Deutschland stützen sich Nutzungsbedingungen auf das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB, insbesondere §§ 305-310 zum AGB-Recht), das Telemediengesetz (TMG) bzw. den Digital Services Act (DSA) sowie die DSGVO für den Datenschutz.
Nutzungsbedingungen umfassen insbesondere:
- Regeln zur Nutzung der Website: erwartetes Verhalten der Nutzer, verbotene Inhalte, Moderation
- Geistiges Eigentum: Urheberrecht an Inhalten, Marken, Logos (UrhG)
- Haftungsbeschränkungen: bei Nichtverfügbarkeit der Seite, inhaltlichen Fehlern oder externen Links
- Datenschutzhinweise: Verweis auf die Datenschutzerklärung, Rechtsgrundlagen der Verarbeitung (DSGVO, Artikel 13 und 14)
- Bedingungen für die Kontoerstellung: falls die Website einen Mitgliederbereich anbietet
- Anwendbares Recht und Gerichtsstand
Nutzungsbedingungen richten sich an alle Besucher Ihrer Website, nicht nur an Käufer. Vertiefende Informationen finden Sie in unserem Artikel über E-Commerce-Nutzungsbedingungen und ihren rechtlichen Schutz.
Was sind AGB (Allgemeine Geschäftsbedingungen)?
Die Allgemeinen Geschäftsbedingungen regeln die Geschäftsbeziehung zwischen einem gewerblichen Verkäufer und seinen Kunden. Sie werden verpflichtend, sobald Sie Produkte oder Dienstleistungen verkaufen — sei es im B2C-Bereich (an Verbraucher) oder im B2B-Bereich (an andere Unternehmen). In Deutschland sind AGB durch die §§ 305-310 BGB geregelt. Für den Fernabsatz gelten zusätzlich das Fernabsatzgesetz (umgesetzt in §§ 312b-312k BGB), die Verbraucherrechterichtlinie (2011/83/EU) sowie das Handelsgesetzbuch (HGB) für B2B-Geschäfte.
AGB umfassen insbesondere:
- Die Merkmale der verkauften Produkte oder Dienstleistungen
- Preise inklusive MwSt. und Zahlungsmodalitäten (Preisangabenverordnung — PAngV)
- Lieferbedingungen: Fristen, geografische Gebiete, Gefahrübergang (§ 447 BGB)
- Das Widerrufsrecht: gesetzliche 14-Tage-Frist für Fernabsatzverträge (§§ 355-357 BGB, Umsetzung der Richtlinie 2011/83/EU)
- Gesetzliche Gewährleistung: Mängelgewährleistung (§§ 434-442, 437 BGB), Garantie
- Rückgabe- und Erstattungsbedingungen
- Streitbeilegung: Hinweis auf die OS-Plattform der EU, Verbraucherschlichtungsstellen (VSBG)
Schlecht formulierte AGB gehören zu den kostspieligsten Fehlern im E-Commerce. Entdecken Sie die 5 teuren Fehler in den AGB, um sie zu vermeiden.
Wesentliche Unterschiede: Vergleichstabelle
| Kriterium | Nutzungsbedingungen | AGB (Allgemeine Geschäftsbedingungen) |
|---|---|---|
| Gegenstand | Nutzung der Website | Geschäftstransaktion |
| Adressaten | Alle Besucher / Nutzer | Käufer (Verbraucher oder Unternehmer) |
| Wichtigster Rechtsrahmen | BGB §§ 305-310, TMG / DSA, DSGVO | BGB §§ 305-310, §§ 312b-312k, §§ 355-357, PAngV, HGB |
| Pflicht? | Dringend empfohlen (in der Praxis quasi verpflichtend) | Verpflichtend, sobald Waren oder Dienstleistungen verkauft werden |
| Kerninhalt | Nutzungsregeln, geistiges Eigentum, Haftung, Datenschutz | Preise, Lieferung, Widerruf, Gewährleistung, Zahlung |
| Risiko bei Fehlen | Vertragliche Schwäche, Schwierigkeiten bei der Durchsetzung von Rechten | Abmahnungen, AGB-Kontrolle nach §§ 305-310 BGB, Bussgelder |
| Aktualisierungshäufigkeit | Bei jeder funktionalen Änderung der Website | Bei jeder Änderung von Preisen, Bedingungen oder Vorschriften |
| Für eine Informationswebsite nötig? | Ja | Nein (kein Verkauf = keine AGB nötig) |
| Für einen Online-Shop nötig? | Ja | Ja |
Warum benötigen Sie beide Dokumente?
1. Komplementäre Anwendungsbereiche
Die Nutzungsbedingungen schützen Ihre Website als digitale Plattform. Die AGB schützen Ihre Geschäftstransaktionen. Ein Online-Shop benötigt beides: Ein Besucher, der nur browst, ist durch die Nutzungsbedingungen abgedeckt, während ein Besucher, der eine Bestellung aufgibt, gleichzeitig von beiden Dokumenten erfasst wird.
2. Unterschiedliche gesetzliche Pflichten
Das deutsche Recht unterscheidet klar zwischen den Pflichten im Zusammenhang mit der Bereitstellung von Telemedien (TMG/DSA) und denen im Zusammenhang mit dem Fernabsatz (BGB, Verbraucherrechterichtlinie). Nur ein Dokument zu haben bedeutet, einen ganzen Bereich gesetzlicher Pflichten unabgedeckt zu lassen.
3. Schutz bei verschiedenen Streitfällen
Entsteht ein Streit mit einem Nutzer über Inhalte auf Ihrer Website, greifen die Nutzungsbedingungen. Entsteht ein Streit mit einem Kunden über eine Bestellung, greifen die AGB. Ohne das passende Dokument stehen Sie vor einem Gericht deutlich schwächer da.
4. DSGVO-Konformität erfordert beide Perspektiven
Die DSGVO (Artikel 13 und 14) verlangt eine transparente Information über die Verarbeitung personenbezogener Daten. Die Nutzungsbedingungen decken diese Dimension für das Surfen ab, während die AGB sie für die bei einer Transaktion erhobenen Daten ergänzen (Lieferadresse, Zahlungsdaten, Bestellhistorie). Mehr zu Ihren Pflichten erfahren Sie in unserem Artikel zur Pflicht zur Datenschutzerklärung.
Häufige Fehler
Nutzungsbedingungen und AGB in einem Dokument zusammenfassen
Dies ist der verbreitetste Fehler. Beide in einem einzigen Dokument mit dem Titel “AGB” zusammenzufassen, erzeugt einen langen, unübersichtlichen und rechtlich fragilen Text. Die Klauseln zur Website-Nutzung und die zum Verkauf richten sich an unterschiedliche Zielgruppen und unterliegen verschiedenen Rechtsrahmen.
Eine generische Vorlage kopieren
Kostenlose Vorlagen aus dem Internet sind selten auf Ihr spezifisches Geschäft zugeschnitten und oft veraltet. Die Gesetzgebung ändert sich jedes Jahr, und ein Dokument, das nicht den Anforderungen von 2026 entspricht, setzt Sie Abmahnungen und Bussgeldern aus.
Die AGB nicht an die Art des Geschäfts anpassen
AGB für den Verkauf physischer Produkte unterscheiden sich erheblich von denen für digitale Dienstleistungen oder Abonnements. Die Pflichten in Bezug auf Lieferung, Widerruf und Gewährleistung variieren je nach Art des Angebots.
Pflichtangaben vergessen
Bestimmte Angaben sind gesetzlich vorgeschrieben: Identität des Verkäufers, Streitbeilegungsstelle, Muster-Widerrufsformular, vorvertragliche Informationspflichten (§ 312d BGB i.V.m. Art. 246a EGBGB). Ihr Fehlen stellt einen Rechtsverstoß dar, der Abmahnungen durch Mitbewerber oder Verbraucherschutzverbände nach sich ziehen kann.
Diese Dokumente sind Teil eines grösseren Rahmens
Nutzungsbedingungen und AGB funktionieren nicht isoliert. Sie sind Teil eines Gesamtpakets verpflichtender Rechtsdokumente für jede professionelle Website: das Impressum, die Datenschutzerklärung und die Cookie-Richtlinie vervollständigen den Rahmen. Lesen Sie unseren umfassenden Leitfaden über die 4 Pflichtdokumente für jede E-Commerce-Website für den Gesamtüberblick.
Wie Sie konforme Nutzungsbedingungen und AGB erhalten: Ihre Optionen
Option 1: Einen Anwalt beauftragen
Ein auf Digitalrecht spezialisierter Anwalt kann massgeschneiderte Nutzungsbedingungen und AGB erstellen. Rechnen Sie mit 400 bis 1 000 € für beide Dokumente bei einer Bearbeitungszeit von 2 bis 4 Wochen. Diese Option bietet maximale Individualisierung, stellt aber gerade für Startups und KMU eine erhebliche Investition dar.
Option 2: Kostenlose Vorlagen verwenden
Vorlagen sind online verfügbar, aber sie sind selten auf dem Stand der Gesetzgebung von 2026. Sie brauchen 4 bis 8 Stunden, um zwei separate Dokumente anzupassen, mit einem hohen Risiko von Lücken oder Klauseln, die nicht zu Ihrem Geschäftsmodell passen.
Option 3: Eine generische KI verwenden
Tools wie ChatGPT können Nutzungsbedingungen und AGB separat generieren, aber jeder Abschnitt muss einzeln angefragt werden, was zu Inkonsistenzen zwischen den beiden Dokumenten führt. Eine Überprüfung durch einen Anwalt (150-300 €) bleibt unerlässlich, um die rechtliche Kohärenz zu gewährleisten.
Option 4: Eine spezialisierte juristische KI verwenden
Lösungen wie WebLegal.ai generieren konforme und aufeinander abgestimmte Nutzungsbedingungen und AGB in weniger als 10 Minuten, ab 14,90 €. Die Dokumente sind auf Ihr Geschäft zugeschnitten, auf dem Stand der Gesetzgebung von 2026 und integriert mit Ihren weiteren rechtlichen Pflichten (Datenschutzerklärung, Impressum, Cookie-Richtlinie). Dies ist die Option mit dem besten Verhältnis von Qualität, Kosten und Geschwindigkeit für die meisten Unternehmer.
Vergessen Sie auch nicht Ihr Impressum — ein fehlendes Impressum kann ein Bussgeld von bis zu 75 000 Euro nach sich ziehen.
Fazit
In 2026 ist die Unterscheidung zwischen Nutzungsbedingungen und AGB kein juristisches Detail — sie ist eine betriebliche und rechtliche Notwendigkeit. Die Nutzungsbedingungen schützen Ihre Website als digitalen Dienst, die AGB schützen Ihre Geschäftstransaktionen. Über beide Dokumente zu verfügen, separat verfasst und konform mit der geltenden Gesetzgebung, ist für jeden Unternehmer mit Online-Präsenz unverzichtbar. Ohne sie setzen Sie sich Abmahnungen, Bussgeldern und Rechtsstreitigkeiten aus, die Sie nicht wirksam verteidigen können.