AGB Muster 2026: Pflichten für Onlineshops

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Sie suchen ein AGB-Muster für Ihren Onlineshop? Bevor Sie die erstbeste Gratis-Vorlage kopieren, sollten Sie wissen, was AGB enthalten müssen. Der deutsche E-Commerce ist stark abmahngefährdet, und unvollständige oder veraltete AGB sind einer der häufigsten Anlässe. Dieser Artikel erklärt die Pflichtklauseln 2026, den neuen Widerrufsbutton, die Unterschiede nach Geschäftsmodell und warum ein Gratis-Muster selten ausreicht. Prüfen Sie Ihren Shop zuerst mit unserem kostenlosen Konformitäts-Scanner.

Sind AGB für Onlineshops Pflicht?

Nein — jedenfalls nicht im gleichen Sinne wie Impressum, Widerrufsbelehrung und Datenschutzerklärung, die das Gesetz ausdrücklich verlangt. Wer keine AGB stellt, für den gilt schlicht das Gesetz.

Das ist der Punkt, den die meisten Shopbetreiber unterschätzen: Ohne eigene AGB gelten die gesetzlichen Regelungen des BGB vollständig und ohne Abweichung. Kein Eigentumsvorbehalt, keine Regelung zum Gefahrübergang, keine Begrenzung der Haftung, keine Festlegung, wann der Vertrag überhaupt zustande kommt. Im Streitfall entscheidet das ohne Ihre Beteiligung.

Hinzu kommt eine praktische Ebene: Zahlungsdienstleister, Marktplätze und Plattformen verlangen in ihren eigenen Bedingungen regelmäßig vollständige Vertragsbedingungen. Fehlen sie, kann das bis zur Sperrung des Kontos führen.

Deutsche Gerichte verlangen zudem, dass diese Texte in deutscher Sprache vorliegen, wenn Sie sich an deutsche Verbraucher richten. Eine englische Fassung genügt nicht, auch wenn Ihr Shop international auftritt.

AGB-Muster: die Pflichtklauseln 2026

Ein belastbares AGB-Muster für einen B2C-Onlineshop deckt mindestens die folgenden Punkte ab. Entscheidend ist dabei weniger, dass die Überschrift existiert, als was darunter tatsächlich steht.

  • Anbieter und Geltungsbereich. Identität des Verkäufers, deckungsgleich mit dem Impressum. Abweichungen zwischen beiden Dokumenten fallen bei einer Prüfung sofort auf und stellen die Ernsthaftigkeit der übrigen Angaben in Frage.
  • Vertragsschluss. Wann genau kommt der Vertrag zustande? Mit der Bestellung, mit der Auftragsbestätigung oder mit dem Versand? Diese Festlegung entscheidet darüber, ob Sie eine Bestellung noch ablehnen können — etwa bei einem Preisfehler im Shop.
  • Preise und Versandkosten. Endpreise inklusive Umsatzsteuer, mit Hinweis nach der Preisangabenverordnung. Versandkosten müssen vor Abschluss der Bestellung bezifferbar sein, nicht erst auf der Rechnung.
  • Zahlung und Lieferung. Zahlungsarten, Lieferzeiten und Gefahrübergang. Wer trägt das Risiko, wenn das Paket auf dem Transportweg verloren geht? Im B2C-Fernabsatz der Verkäufer — das sollte auch so dastehen.
  • Widerrufsrecht. Vierzehntägiges Widerrufsrecht für Verbraucher nach § 355 BGB, mit Widerrufsbelehrung und Muster-Widerrufsformular. Und mit den Ausnahmen: personalisierte Ware, entsiegelte Hygieneartikel, schnell verderbliche Waren, sofort gestartete digitale Inhalte.
  • Gewährleistung. Die gesetzliche Mängelhaftung beträgt zwei Jahre und lässt sich gegenüber Verbrauchern bei Neuware nicht verkürzen. Eine Klausel, die es doch versucht, ist unwirksam — und angreifbar.
  • Eigentumsvorbehalt bis zur vollständigen Zahlung.
  • Streitbeilegung. Hinweis auf die Verbraucherschlichtung und die Angabe, ob Sie zur Teilnahme bereit sind.
  • Anwendbares Recht und Schlussbestimmungen.

Neu 2026: der Widerrufsbutton

Seit Juni 2026 verpflichtet § 356a BGB Onlineshops im B2C-Fernabsatz zu einer elektronischen Widerrufsfunktion — dem sogenannten Widerrufsbutton — wenn der Vertrag über eine Website oder App geschlossen wird und ein gesetzliches Widerrufsrecht besteht.

Die Anforderungen sind konkret: Der Button muss gut sichtbar und leicht zugänglich sein, während der gesamten Widerrufsfrist zur Verfügung stehen und eindeutig beschriftet sein, idealerweise mit „Vertrag widerrufen”. Als Pflichtangaben im nachgelagerten Formular sind nur Name, Vertragsidentifikation und ein elektronisches Kommunikationsmittel für die Eingangsbestätigung zulässig — eine Pflichtregistrierung oder ein Login davor ist es nicht.

Ein AGB-Muster aus der Zeit vor 2026 kennt diese Pflicht nicht. Prüfen Sie deshalb bei jeder Vorlage zuerst das Datum der letzten Aktualisierung. Was der Widerrufsbutton im Einzelnen verlangt, behandelt unser Leitfaden zur Widerrufsbutton-Pflicht.

AGB-Muster nach Geschäftsmodell

  • Warenshop. Schwerpunkt auf Lieferung, Versandkosten, Rückgabe und Gewährleistung.
  • Digitale Produkte und Downloads. Das Widerrufsrecht kann bei sofort gestarteter Leistung erlöschen — aber nur mit ausdrücklicher Zustimmung des Kunden und dessen Kenntnisnahme, dass er sein Widerrufsrecht damit verliert. Fehlt einer der beiden Schritte, bleibt das Widerrufsrecht bestehen, auch nach dem Download.
  • Dienstleistung. Leistungsumfang, Mitwirkungspflichten des Kunden, Kündigungsfristen. Bei Abonnements kommen die Vorgaben zur Kündigungsschaltfläche hinzu.
  • Marktplatz oder Plattform. Zusätzliche Regelungen zum Verhältnis der Nutzer untereinander und zur eigenen Rolle als Vermittler statt als Verkäufer.

Ein einziges Muster kann diese Fälle nicht gleichzeitig abdecken. Genau hier stößt jede Vorlage an ihre Grenze: Sie ist notwendigerweise für den Durchschnittsfall geschrieben, und Ihr Shop ist kein Durchschnittsfall.

Das Abmahnrisiko: wie es praktisch abläuft

Eine Abmahnung im E-Commerce kommt selten von einer Behörde. Sie kommt von einem Mitbewerber, von einem Wettbewerbsverband oder von einer auf Abmahnungen spezialisierten Kanzlei — und sie beginnt mit einem Anwaltsschreiben, das eine strafbewehrte Unterlassungserklärung und die Erstattung der Anwaltskosten verlangt.

Der Ablauf ist immer derselbe. Ein Suchlauf findet Shops mit einem bestimmten Fehler, das Schreiben geht in Serie hinaus, und die gesetzte Frist ist kurz — oft eine Woche. Wer die Unterlassungserklärung unterschreibt, haftet bei einem Wiederholungsfall mit einer Vertragsstrafe. Wer nicht reagiert, riskiert eine einstweilige Verfügung.

Die typischen Anlässe bei AGB sind erstaunlich banal: eine veraltete Widerrufsbelehrung, eine unwirksame Klausel zur Gewährleistungsdauer, ein fehlender Hinweis auf die Versandkosten, ein Muster-Widerrufsformular, das nicht mitgeliefert wird. Nichts davon setzt bösen Willen voraus — es genügt, eine Vorlage übernommen zu haben, die zwei Jahre alt ist. Wie Sie sich konkret schützen, zeigt unser Artikel zur AGB-Abmahnung im Onlineshop.

Was in Gratis-Mustern typischerweise fehlt

Kostenlose AGB-Muster sind generisch, häufig veraltet und nie an Ihr Geschäftsmodell angepasst. Vier Lücken kommen besonders oft vor:

  1. Der Widerrufsbutton — jede Vorlage von vor Juni 2026 kennt ihn nicht.
  2. Die Ausnahmen vom Widerrufsrecht, die für Ihr Sortiment gelten. Wer Hygieneartikel oder personalisierte Ware verkauft und die Ausnahme nicht regelt, verschenkt sie.
  3. Die Konsistenz mit den übrigen Rechtstexten. AGB, Datenschutzerklärung und Impressum müssen dieselbe Firmierung, dieselbe Anschrift und dieselben Kontaktdaten nennen.
  4. Die Zahlungsdienstleister und Versanddienstleister, die Sie tatsächlich einsetzen — sie gehören sowohl in die AGB als auch in die Datenschutzerklärung.

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Häufige Fragen

Reicht ein AGB-Muster aus dem Internet?

Als Orientierung ja, als Rechtstext selten. Ein Muster zeigt Ihnen die erwartete Struktur, kennt aber weder Ihr Sortiment noch Ihre Zahlungsarten noch Ihre Lieferwege — und meistens auch nicht den Rechtsstand von 2026.

Brauche ich AGB, wenn ich nur an Unternehmen verkaufe?

Das Widerrufsrecht und die Verbraucherschutzvorschriften entfallen dann, die AGB selbst werden dadurch aber nicht überflüssig. Im B2B regeln sie Zahlungsziele, Eigentumsvorbehalt und Haftung — Punkte, die ohne Regelung allein nach dem Gesetz laufen.

Wo müssen die AGB im Shop stehen?

Sie müssen vor Abschluss der Bestellung zur Kenntnis genommen werden können und speicherbar sein. In der Praxis heißt das: verlinkt im Footer jeder Seite und noch einmal im Bestellprozess.

Wie oft muss ich meine AGB aktualisieren?

Immer dann, wenn sich Ihr Angebot ändert — neue Zahlungsart, neues Produktsegment, neuer Versanddienstleister — und bei jeder Gesetzesänderung. Der Widerrufsbutton 2026 ist das aktuellste Beispiel dafür.

Was passiert bei einer unwirksamen Klausel?

Die Klausel entfällt, der Rest der AGB bleibt bestehen, und an die Stelle der unwirksamen Regelung tritt das Gesetz. Problematisch ist weniger die Lücke selbst als die Abmahnung, die sie auslösen kann.

Fazit

Ein AGB-Muster ist ein guter Ausgangspunkt, um die erwartete Struktur zu verstehen. Es ersetzt keine an Ihren Shop angepassten und auf dem Stand von 2026 gehaltenen AGB — allen voran mit dem neuen Widerrufsbutton.

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